Sprechstunde der Präventions- und Meldestelle: erste Learnings
Was braucht es, damit Menschen sich trauen, Gewalt, Grenzverletzungen oder belastende Situationen zu melden? Diese Frage begleitet die Stiftung WohnWerk seit dem Aufbau ihrer Präventions- und Meldestelle. Nach dem ersten Monat Sprechstunde zeigt sich: Gute Vorbereitung ist wichtig. Entscheidend sind aber auch Vertrauen, persönliche Zugänglichkeit und klare Abläufe.
Rahel Knechtle, eine der beiden Ansprechpersonen der Präventions- und Meldestelle, blickt auf den Start zurück. Zu Beginn sei es noch ruhig gewesen. Das habe dem Team geholfen, Abläufe zu prüfen, Formulare einzusetzen und erste Anpassungen vorzunehmen. Inzwischen sind erste Meldungen eingegangen. Für Rahel ist das ein wichtiges Zeichen: «Die Sprechstunde wird wahrgenommen. Die ersten Menschen trauen sich, das Angebot zu nutzen.»
Ein Angebot braucht Vertrauen
Die Präventions- und Meldestelle richtet sich an Menschen mit Beeinträchtigungen, die in der Stiftung WohnWerk leben, arbeiten oder Angebote nutzen, sowie an Mitarbeitende. Sie nimmt Meldungen entgegen, bietet Beratung und begleitet bei Fragen rund um Gewalt, Grenzverletzungen und Situationen, die sich nicht richtig anfühlen.
Der erste Monat hat gezeigt: Ein Meldeformular ist hilfreich und wurde bereits genutzt. Gleichzeitig bleibt der persönliche Kontakt zentral. Menschen brauchen Ansprechpersonen, die zuhören, ernst nehmen und gemeinsam klären, welche nächsten Schritte sinnvoll sind.
Damit ein solches Angebot wirklich zugänglich ist, braucht es Sichtbarkeit. Flyer, Informationsanlässe und die Unterstützung durch Begleitpersonen haben dazu beigetragen, Menschen zur Nutzung der Sprechstunde zu ermutigen. Auch der Ort der Sprechstunde spielt eine Rolle: Ein separater Raum auf einem anderen Stockwerk schafft Distanz zum Alltag und kann helfen, vertrauliche Gespräche zu ermöglichen.
Sorgfalt braucht klare Abläufe
Bereits in den ersten Wochen wurde deutlich, wie anspruchsvoll die Bearbeitung einer Meldung ist. Nach einem Erstgespräch können weitere Gespräche, Dokumentation, Abklärungen und Nachbearbeitung folgen. Dabei stellen sich immer wieder wichtige Fragen: Wer muss einbezogen werden? Wer muss informiert sein? Wie werden nächste Schritte transparent und sorgfältig abgestimmt?
Diese Erfahrungen zeigen, dass Schutzstrukturen nicht einfach mit dem Start eines Angebots abgeschlossen sind. Sie müssen in der Praxis erprobt, überprüft und weiterentwickelt werden. Genau dafür ist die erste Phase der Präventions- und Meldestelle wichtig.
Prävention als Teil des Auftrags
Die Präventions- und Meldestelle ist mehr als eine Anlaufstelle für Meldungen. Ein zentraler Teil ihrer Arbeit ist die Prävention. Aktuell entsteht eine Jahresplanung mit Themen, die künftig in Inputs und Angeboten aufgegriffen werden. Dazu gehören unter anderem der Umgang mit Wut, gewaltfreie Kommunikation, aktives Grenzen setzen, Nähe und Distanz sowie verschiedene Formen von Gewalt. Ziel ist es, Menschen zu stärken, Orientierung zu geben und Grenzverletzungen möglichst früh zu erkennen.
Damit leistet die Präventions- und Meldestelle einen Beitrag zu Schutz, Selbstbestimmung und Teilhabe. Diese Themen stehen auch im Zusammenhang mit der UN-Behindertenrechtskonvention, insbesondere mit dem Schutz vor Gewalt, Missbrauch und Ausbeutung sowie mit dem Zugang zu Information und Unterstützung.
Lernen aus der Praxis
Für Rahel ist nach dem ersten Monat klar: Die intensive Vorbereitung hat sich gelohnt. Gleichzeitig beginnt mit dem Start die eigentliche Entwicklungsarbeit. Abläufe werden geschärft, Zuständigkeiten geklärt und Erfahrungen aus der Praxis aufgenommen.
Wichtig ist dabei auch die Zusammenarbeit mit den Teams. Die Präventions- und Meldestelle soll nicht als Zusatzangebot verstanden werden, sondern als fester Bestandteil der Schutzstrukturen der Stiftung WohnWerk. Teams können dazu beitragen, indem sie das Angebot aktiv mitdenken, Menschen darauf aufmerksam machen und Rückmeldungen aus der Praxis einbringen.
Ein Schritt zu mehr Sicherheit
Der erste Monat zeigt: Die Präventions- und Meldestelle wird genutzt, und das Vertrauen in das Angebot wächst. Gleichzeitig braucht es weiterhin Sensibilisierung, Präsenz und fachliche Weiterentwicklung.
Für die Stiftung WohnWerk ist die Präventions- und Meldestelle ein wichtiger Schritt, um Schutz, Prävention und Selbstbestimmung im Alltag zu stärken. Sie schafft einen Ort, an dem Menschen mit ihren Fragen, Beobachtungen und Erfahrungen Gehör finden – und an dem aus jeder Rückmeldung gelernt werden kann.